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Der Spiegel: Kämpfer im Krisengebiet

Interessanter Artikel im neuen Spiegel darüber, dass in den städtischen Problemvierteln immer weniger Kinderärzte arbeiten. Dort wo die meisten Kinder, die heftigsten Probleme, die schwierigsten Eltern sind, ist die Betreuung der Kinder am Schlechtesten. Kein Wunder, möchte man sagen, denn für viel Arbeit und viel Ärger wird man bundesdeutschlogischerweise natürlich am Schlechtesten bezahlt. Und mit dem neuen schon bundesweit hurragespriesenen Abrechnungssystem, was ja angeblich die Ärzte reich machen soll, bekommt der Kinderarzt für die Behandlung eines Kindes weniger als jeglicher praktischer Arzt für die gleiche Behandlung selbigen  Kindes. Der "Allgemein"mediziner darf natürlich völlig unabhängig von einer bestehenden Qualifikation Kinder behandeln, während ein Kinder- und Jugendmediziner selbstverständlich keinen Kassenpatienten behandeln darf, wenn er den 18. Geburtstags passiert hat, selbst dann nicht, wenn er diesen Patienten jahrelang behandelt hat und keine geeigneten Erwachsenenmediziner dafür zur Verfügung stehen, z.B. bei ADHS.
Zum Dank dafür strebt eine Funktionärsclique der Allgemeinmediziner an, dass Kinder immer zuerst zum "Allgemein"mediziner gehen müssen: dann können sie das Geld mit den einfachen Sachen verdienen und nur das, was ihnen kompliziert erscheint an den Kinderarzt weiter schicken.
Es ist nicht verwunderlich, dass viele Kollegen in die besseren Stadtteile abwandern. Wenn  die Politik wollte, könnte sie durch eine Zulage in den Problembezirken dies ändern. Aber das schaffen sie ja nicht mal auf dem flachen Land, wo es bald gar keine Ärzte mehr gibt.
Solche Vorwürfe werden natürlich empört zurückgewiesen, und dann zählen sie auf, was sie gemacht haben. Ist aber alles nur Augenwischerei, es klaffen Welten zwischen dem Nobelviertel und Neukölln. Denken sie, dass die Betroffenen das nicht merken?
Trotzdem bleiben wir in Neukölln, sind aber froh, dass wir nicht so ganz im Zentrum des Krisengebiets kämpfen müssen.

Meister 15.01.2009, 10.36

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