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Bärbel
Ich möchte dir mal ganz viel Glück wünschen, dass die Pannenserie nun ihre letzte Folge hatte! Daumen sind doll gedrückt
LG Bärbel
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Sebastian
Dein letzter Blog Eintrag "Ergoterror macht Kinder fertig" ist dir sehr gut gelungen -baut sehr gut auf dem vorigen auf :ok:
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Chatty
Ich lasse Dir Wünsche für ein wunderbares Wochenende da ... nutze sie :-)
30.10.2009-19:48
Linda
Auch ich, wie die Schreiberin vorher!
LG
30.9.2009-19:03
Bärbel
Bin heute als Berlinerin über diese Seite gestolpert und...es hat sich gelohnt. Ich werde hier öfter mal stöbern nach Perlen :D

Danke
und Grüße aus dem "hohen Norden"
Bärbel
13.5.2009-19:45

Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Schweinegrippe

Schweine ade?

Es wurde schon letzte Woche anderswo gemutmasst, dass es mit der Epidemie vorbei sein koennte. Und jetzt kann man seit Wochenanfang sagen, dass die Zahlen doch deutlich zurueck gehen. Aber heisst das wirklich, dass es vorbei ist?
Nicht unmoeglich, aber ich bin misstrauisch. Bei der letzten Grippeepidemie war es anders. Es muss nicht diesmal genauso laufen, aber eigentlich waere diese ploetzliche Ende ungewoehnlich, es sind noch lange nicht alle durch. so etwas ist schwer zu berechnen, aber ich wuerde schaetzen, dass noch nicht mal die Haelfte der "Berechtigten" krank war, auch wenn ich die vielen Leichtkranken einbeziehe. Da koennte natuerlich fur eine spaetere zweite Runde sprechen.
Also kein Grund die Impfempfehlung grosszuegiger zu fassen, aber wegschmeissen sollte man den Impfstoff auch nicht. Mein Eindruck ist, dass auch die Impfung harmloser verlaeuft als vermutet wurde, aber da sollten wir in einigen Wochen ganueres sagen koennen.

Meister 02.12.2009, 10.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Am Wochenende keine Schweinchen!

Die Sache mit der SG-Epidemie hat sich im Laufe der Woche so richtig ausgewachsen, da waren hunderte von Patienten mit Schweinegrippe. Trotzdem ist es bei den Leuten noch nicht angekommen, dass es sich bei SG um eine Grippe wie jede andere handelt und fast alle nach einer Woche wieder voll ok sind. Viele Eltern reagieren auf die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit dass es SG ist ,so als habe man ihnen ein Todesurteil überbracht. Und eine Mutter sagte, vonwegen keine schwere Krankheit, ihre 13jährige Tochter habe schon 3 Tage 39° Fieber und sei total schwach und erschöpft. Hoffen wir, dass derartige Leute nie mit wirklch schweren Erkrankungen konfrontiert werden, da würden sie ja schon die Verkündung der Diagnose nicht überleben.

Man kann zum Glück hoffen, dass mit der massenhaften Verbreitung auch die Gelassenheit zunimmt. Witzigerweise hatte ich den Eindruck, dass die Etikettierung als "Meerschweinchengrippe" schon bei einer Reihe von Leuten zu einer gewissen Beruhigung geführt hat.

Man könnte denken, dass in derSache allmählich, nach 2 Wochen heftigen Ansteigens vielleicht der Höhepunkt erreicht ist. Von den Erfahrungen der heftigen Grippewelle vom Januar 2009 befürchte ich allerdings, dass bestenfalls ein >Plateau< erreicht ist und es mit den Zahlen so weiter geht in den nächsten 4 Wochen. Dass ist kein Wunder, weil jetzt erstmal eine relativ grosse Basismasse von ansteckenden Personen, da ist von denen ein Großteil so gesund ist, dass es überall rumrennt und weiter ansteckt. Da hilft keinerlei Epidemieschutzmassnahme mehr, eine Grippewelle ist nicht aufzuhalten, dass ist schon lange bekannt. Jetzt wird die Sache einige Wochen rumgereicht bis aus Mangel an weiteren.

Obwohl man sagen muss, das beste Medikament gegen die Grippe ist einen Meter breit und 2 Meter lang, werden am Wochenende wieder viele die Notfallambulanzen verstopfen, um darüber zu wüten, dass sie nach stundenlangem Warten mit symptomatischen Mitteln, ohne Grippetest, ohne Tamiflu oder andere Wunder-Waffen nach Hause geschickt werden. Natürlich ist der Grippetest jetzt völlig unsinnig, aber was schert das die Leute, sie wollen es genau wissen. Dummerweise kostet ein Test 160 Euro, ist keineswegs zuverlässig und die Durchführung ohne Grund  erschwert es den Labors nur für die kritischen Fälle rechtzeitig die Diagnose zu stellen.

Jetzt ist schon ein Streit darüber ausgebrochen, ob mehr Kinderärzte am Wochenende in den Notfallambulanzen arbeiten sollten. "Sie wollten halt  lieber zuhause bei ihren Familien bleiben" heisst es frech-süffisant in der Zeitung. Merkwürdigerweise bleibt ausser Betracht, dass die Leute, die die ganze Woche die Frontschweinarbeit machen, am Wochenende sich vielleicht mal erholen müssen, aber Schuldzuweisungen sind immer billig.

Man brauchte da schon ein Konzept für ausreichend viele Notfallpraxen an den Wochenenden, oder abgesprochen verschobene Sprechstunden über 7 Tage die Woche. Das liesse sich alles machen. Aber eine ausgelastete Kapazität kann man im Winter nicht dauerhaft überlasten, es kommen noch 6 (!) weitere Wintermonate frontal auf uns zu. Und wenn diejenigen die dem Überlastungsbegehren nachgeben, dann auf der Nase liegen oder wie auch schon vorgekommen in den Sielen sterben, dann heisst vielleicht anerkennend, "er war immer für seine Patienten da", wofür der sich dann aber auch nichts mehr kaufen kann, doch vielleicht heisst es auch nur, "der war doch selbst dran schuld, wenn er sich kaputt gemacht hat".

Meister 21.11.2009, 10.47 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Schlimmer als Hysterie ist......

Doppelhysterie: gestern war wirklich die Hölle los, man hat langsam den Eindruck, dass einige Leute kurz vor dem Ausflippen sind. Die Angst vor der Schweinegrippe treibt merkwürdige Blüten, und die Angst vor der Schweinegrippeimpfung erledigt den Rest. Es sind nicht nur die Leute, die schier verrückt sind, sondern dass setzt sich dann in den professionellen Bereich fort. Die einen Leute telefonieren wie die Verrückten, weil sie unbedingt die Grippeimpfung wollen und zwar sofort. Die sind zwischen todtraurig und aggressiv, wenn sie erfahren, dass impfen noch nicht geht. Als habe man ihnen den Platz im Rettungsboot der Titanic verweigert.  Die anderen haben Angst vor der Grippe und Riesenangst vor der Impfung. Es besteht die Gefahr, dass demnächst Todesstrichlisten verglichen werden: auf der einen Seite die Medientoten der Grippe, auf der anderen die Medientoten der Impfung.

Ich habe mich schon bemüht beruhigend zu wirken: weder ist die Grippe bisher so schlimm, noch gibt es Anzeichen dafür, dass die Impfung schlimme Nebenwirkungen hat und man muss  doch auch nicht übertriebene Eile bezüglich der Impfung haben, kann doch erstmal die wirklich Gefährdeten impfen und dann diejenigen, die schon halbtot vor Grippeangst sind. Wenn dann ein paar Millionen geimpft sind, wird man besser einschätzen können, ob man bedenkenlos in die Breite impfen kann oder lieber nicht.

Man muss in aller Ruhe die Impfinfrastruktur einrichten, langsam anfangen und genau aufklären. Sollte es zu einer Verschlimmerung des Erkrankungsverlaufs kommen, was gar nicht unbedingt sein muss, kann man jederzeit massenhaft impfen, wenn die gesamte Logistik steht und der Impfstoffnachschub rollt.

Überraschender Weise stellt sich jetzt heraus, dass die bestellten 50 oder gar 80 Millionen Dosen gar nicht vorhanden sind, sondern nach und nach produziert werden. Das ist zwar logisch, denn der Prozess ist zeitaufwendig und die Produktionsanlagenkapazität begrenzt, aber es besteht schon die Frage,  welche Liefertermine für welche Mengen verabredet oder möglich sind, denn im Laufe des Jahres 2010 wird es ja auch etwas absurd diese Impfung durchzuführen. Hat sich das Virus eventeull verwandelt bevor der Impfstoff verimpft ist?

Mit wem man gestern auch gesprochen hat, alle waren schwer betroffen von der Wucht der Verunsicherung der Leute. Der Chefarzt der Kinderklinik fragt an, ob wir Leute zum SG-Test zu ihnen geschickt hätten: haben wir natürlich nicht, sondern die Leute haben das schlicht erfunden. Es soll Schreiereiszenen in Krankenhausambulanzen gegeben haben.

Das Labor klagt, dass massenhaft unnütze SG-Tests eingeschickt werden, die damit gerade wieder verhindern, dass die wichtigen innerhalb von 24 Stunden bearbeitet werden können. Denn die Tests haben nur einen Sinn in dieser Situation: bei schwer Kranken mit Grunderkrankung rechtzeitig herausfinden, ob eine entsprechende Therapie gemacht werden muss.

Aber Leute sind jetzt offenbar auf die Idee gekommen, dass sie vielleicht aus dem Dilemma mit der Angst vor Impfung vs Angst vor Erkrankung rauskommen, wenn nachgewiesen wird, dass sie es hatten. Aber auch da muss man sie enttäuschen: der serologische Nachweis kann nicht zwischen früheren Grippen und Impfungen einerseits und SG andererseits unterscheiden. Und der Abstrichtest kann nur gemacht werden, wenn jemand als SG-Verdacht gemeldet und in vorläufige Quarantäne verbracht wird. Und das gilt auch für gesetzlich wie privat Versicherte! Auch das Angebot, es selbst zu bezahlen, macht es nicht möglich.

Das Anwachsen der Doppelhysterie im Verlaufe der Woche ist erschreckend, da fragt man sich wie es weiter geht. Sicher scheint, dass die Fallzahlen in den nächsten Wochen weitere steigen werden. Das ist die Erfahrung jeder Grippeepidemie, z.B. der vom letzten Winter: von dem Zeitpunkt, wenn man feststellt, dass es deutlich massenhaft Grippefälle sind, wachsen die Zahlen zwei drei Wochen an, und dann verharren sie weitere 3 bis 4 Wochen hoch bevor sie langsam zurück gehen. Das muss vielleicht nicht immer so sein, war aber beim letzten Mal ganz eindeutig so.

Weil die Epidemie jetzt so richtig ins Laufen kommt, sind natürlich die früheren Massnahmen wie Schulenschliessung jetzt absurd. Soll man bis März zumachen? Die SG hat einen Vorteil, der ein Nachteil ist: viele Betroffene sind so leicht erkrankt, dass sie weiter rumrennen und anstecken.

Und was soll man tun? Wenn man krank ist, sollte man zuhause bleiben, wenn man sich schlecht fühlt sollte man sich schonen und eventuell ins Bett legen. Damit erspart man  sich Komplikationen und der Umwelt Ansteckung.

Fast allen Erkrankten geht es innerhalb von einigen Tagen wieder besser, aber genau dann sollte man vorsichtig statt übermütig sein: wenn man zu schnell wieder aufdreht, riskiert man bei Grippe oft einen Rückfall.

Meister 13.11.2009, 10.51 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Schweinegrippeinfo zum 9.11.09

Morgen wird sicher bezüglich der Schweinegrippe schwer was los sein. Deshalb habe ich ein Infoblatt gemacht, das wir morgen aushängen oder verteilen werden. Den Lesern dieses Blogs mag aber vieles bekannt vorkommen:

Liebe Eltern,

es sind in den letzten Tagen so viele Fragen zur Schweinegrippe gestellt worden, dass man sie mal zusammenfassend beantworten muss.

Schon seit Monaten grassiert diese neue Grippe, zunächst nur in Einzelfällen, allmählich sich vermehrend und jetzt nachdem eine ziemlich grosse Zahl ansteckender Menschen vorhanden ist, geht es rasant.

Die Schweinegrippe hatte bisher zumindest einen Vorteil, der gleichzeitig ein Nachteil war: sie verläuft so leicht bei vielen Leuten, dass diese nicht im Bett bleiben, sondern weiter unterwegs sind und andere anstecken.

Glücklicherweise gibt es bisher zwar eine Mengenvermehrung der Fälle aber keine Verschlimmerung des Verlaufs: die meisten Leute,  und ein Großteil der Betroffenen sind Kinder, erholen sich auch recht schnell wieder.

Es ist aber natürlich richtig, dass mit einem Ansteigen der Fallzahl auch die Anzahl schwerer Verläufe zunehmen muss, denn es gibt immer ein Spektrum des Verlaufs zwischen leicht und schwer, und wenn 1 Promille der Fälle schwerer verläuft, dann ist das vielleicht keiner von 500 aber möglich 50 von 50.000 .

Wir haben eine Häufung von Luftwegserkrankungen bei Kindern in den letzten Wochen zu beobachten, wahrscheinlich handelt es sich dabei zu einem erheblichen Teil um Schweinegrippefälle.

Wegen der bürokratischen Hemmnisse ist es leider nicht möglich das genau festzustellen, da es unangemessen ist, jemanden als Verdachtsfall zu melden, wenn er nur leicht erkrankt ist. Im Gegensatz zu Medienberichten vom Wochenende ist es auch nicht richtig, dass ein Schnelltest Klarheit bringt. Dieser ist von der Labors verlassen worden, weil er zu unzuverlässig ist und nicht mal spezifisch für die Schweinegrippe.

Es hätte aber auch keine Konsequenzen, denn mehr als eine symptomatische Behandlung und Bettruhe ist sowieso nicht angezeigt. Die sogenannten Grippemittel wie "Tamiflu" werden bei diesen Krankheitsverläufen nicht eingesetzt, sie werden in ihrer Wirkung allerdings sowieso überschätzt.

Man muss keine Panik wegen der Schweinegrippe haben, sie ist nicht schlimmer als die normale Grippewelle, eher leichter. Natürlich kann sich das noch im Verlauf ändern, aber es gibt keine Anzeichen dafür.

Wenn jetzt Einzelfälle in den Medien hochgespielt werden, muss man daran erinnern, dass man von tausenden von Grippetoten jährlich in der normalen Grippesaison redet.

Es stimmt nicht, dass Grippe immer >plötzlich hohes Fieber, rasende Kopfschmerzen und schlimmer Husten< bedeutet, wie das ständig geschrieben wird, auch ganz normal erscheinende Erkältungssymptome können von dem Virus kommen, das zeigt die Erfahrung mit einer ganzen Reihe von Familien, in denen das Virus vorgekommen ist.

Pandemiemassnahmen wie Mundschutz und sterile Kittel sind in der augenblicklichen Situation genauso wenig sinnvoll wie Politiker, die sich nach solchen Maßnahmen heiser schreien. Genauso wenig sind Schließungen von Schulen oder Kindergärten sinnvoll, wenn es berall Ansteckungsfähige gibt und die Erkrankung eben keine "Killerseuche" ist.

Aber die Impfung!?

Wir können glücklich sein, dass es die Impfmöglichkeit gibt, besonders wenn es zu einer Verschlimmerung des Erkrankungsverlaufs in Zukunft kommen sollte. Wir müssen aber auch die Probleme der Impfung sehen und ohne Aufregung mit der ganzen Sache umgehen.

Es handelt sich bei dem neuen Pandemieimpfstoff nicht um den bekannten gewöhnlichen Grippeimpfstoff, sondern um eine Neukonstruktion. Diese Innovation ist nicht ohne Grund vorgenommen worden: die WHO hatte wegen der Bedrohung durch die "Vogelgrippe" die Pharmaindustrie aufgefordert, einen Impfstoff zu schaffen, den man für den Pandemiefall schnell in grossen Mengen produzieren könnte. Die Aufgabe wurde erfüllt, aber die amerikanischen Zulassungsbehörden waren nicht von seiner Unbedenklichkeit überzeugt. Sie haben den alten Impfstoff bestellt und damit jetzt das Problem, dass es zu wenig davon gibt. Die Industrie hat die deutschen Behörden davon überzeugt, dass deren Wunsch 80 Millionen Impfdosen zu bestellen nur mit dem neuen Impfstoff zu realisieren sei. Der Impfstoff wurde im Laufe dieses Jahres entwickelt und produziert und auch getestet. Die Testergebnisse waren nicht negativ, aber die Anzahl der Testpersonen notgedrungen klein, bei Kindern noch viel geringer.

Es besteht die Hoffnung und Erwartung, dass der Impfstoff gut verträglich sein wird, aber eine Sicherheit gibt es nicht. Bei einem Großversuch wie diesem weiß man eben erst hinterher, wie er ausgegangen ist.

Soll man sich und seine Kinder also impfen lassen?


Die Gesundheitsbehörden und auch der Berufsverband der Kinderärzte empfehlen die Impfung.

Man kann sich dieser Empfehlung anschliessen, wenn man folgendes beachtet: Jeder der sich oder seine Kinder impfen lässt muss eine persönliche Abwägung treffen, ob er oder sie eher bereit sind mögliche seltene Nebenwirkungen zu akzeptieren oder eine mehr oder minder schwere Grippe zu riskieren.

Man kann aber auch vorsichtig pragmatisch mit der Frage umgehen und mit der Impfung nicht drängeln: wenn erstmal ein paar Millionen Erwachsene geimpft sind ohne schwerwiegende Ereignisse, dann kann man sich auch auf den Weg machen. Ein solcher Großversuch kann ja schlielich auch gut gehen!

Wir werden uns trotz der vom Senat aufgebauten bürokratischen Hindernisse an der Impfung beteiligen, sobald es möglich ist. Wir rechnen damit im Laufe dieser oder der nächsten Woche.

Dies kann aber nur zeitlich verzögert geschehen, zum einen da wir mit der Versorgung der Kranken voll ausgelastet sind, zum anderen, weil immer mindestens 10, bei Kindern sogar 20 Patienten geimpft werden müssen, da der knappe Impfstoff in Ampullen geliefert wird die 10 bzw. 20 Impfdosen enthalten die hintereinander verimpft werden müssen.

Ob Kinder und Erwachsene geimpft werden können muss noch geklärt werden genau wie alle anderen Fragen des technischen Ablaufs. Es kann also durchaus noch 1-2 Wochen länger dauern bis die Impfung wirklich möglich ist.

Wir werden aus haftungsrechtlichen Gründen die Patienten eine Einverständniserklärung unterschreiben lassen müssen, denn wir können aus verständlichen Gründen nicht für die Sicherheit eines Impfstoffs haften, den wir nicht kennen und dessen Gefahren noch nicht sicher einschätzbar sind.

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Soweit das Merkblatt! Ist es verständlich genug? Welche Fragen müßten noch beantwortet werden?

Meister 08.11.2009, 17.40 | (5/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

Schweinisches Dilemma




Es war ja schon zu befürchten, dass pünktlich zum Impfstart die Schlagzeilen mit den Grippetoten kommen, und da sind sie! Man fragt sich natürlich, wie kommt's, aber das ist eine müssige Frage. Fragen wir lieber mit den Patienten, was nun?

Wir haben einen Impfstoff, der ist neu und unerprobt, bei Kindern so gut wie gar nicht erprobt. Es werden ihm eine Reihe möglicher Gefahren nachgesagt, aber so ganz genau weiss das keiner bisher. Es ist ein Großversuch, so viel ist klar. Es kann bei diesem Großversuch natürlich auch herauskommen, dass nicht nur die Grippe harmlos ist, sondern der Impfstoff auch. Das Spezifische an einem Versuch ist eben immer, dass man vorher nicht so genau weiss und dass man hinterher schlauer ist. Aber jetzt geht es um ganz praktische Fragen: Tut man es oder lässt man es, hat man Angst vor der Grippe , hat man Angst vor der Impfung, kann man die Impfung verantworten oder wird man dafür zur Verantwortung gezogen?

Die bürokratische Aufzäumung vom Staat über eine inkompetente Gesundheitsbürokratie tut ein Übriges. Der Berliner Senat hat beschlossen, dass die Ärzte 5,50 Euro für die Impfung kriegen sollen, statt 7,21 , was normalerweise bezahlt wird. Die Ärzte wittern zu recht, dass sie mit einer erfundenen Notlage über den Tisch gezogen werden sollen und dass gleichzeitig ihnen die Verantwortung für das Scheitern der Zwangsimpfkampagne aufgedrückt werden soll: »Gierige Ärzte verhindern den Schutz der Bevölkerung vor der Jahrhundertseuche«.

Was tun wir also, angesichts der Tatsache, dass uns unliebsame Alternativen gestellt werden?

Wir haben auch das Vertragsangebot des Senats bekommen, und wir haben aus den folgenden Gründen beschlossen, es anzunehmen.

Zum einen dürfen wir nicht die Möglichkeit verkennen, dass die Stimmung in der Bevölkerung rasch umschlagen könnte und alle plötzlich nach Impfung schreien. Wenn man sich dann verweigert, wird man sehr schlecht dastehen. Zum anderen können wir nur durch das Mitmachen widerlegen, dass wir total geldfixiert seien. Weiterhin können wir nur so darüber bestimmen, wer wann und wie geimpft wird.

Wir werden dazu gezwungen sein, sehr genau die Indikationen abzuwägen und sehr genau aufzuklären, weil nur so sich Schadenersatzansprüche vermeiden lassen. Es geht nicht um Nebenwirkungen wie Schwellung an der Impfstelle oder ein bißchen Unwohlsein. Es geht um die Nebenwirkungen, die nicht auf dem Zettel stehen: kann es wie schon gehabt neurologische Syndrome wie dieses Guillain-Barré-Syndrom geben, Überempfindlichkeitsreaktionen und Schockzustände und andere lebensgefährliche Wirkungen, die nicht gerade wahrscheinlich sind, aber auch nicht ausgeschlossen.

Das Problem besteht darin, dass Gerichte in den Fällen, in denen etwas passiert ist, den Ärzten gern wegen angeblich mangelhafter Aufklärung die Schuld zugeschoben haben. Sie wollten halt was für die armen Opfer tun und ein besserer Weg fällt ihnen dann nicht ein, so funktioniert Justiz eben in diesem Lande.

Man wird also über alle Möglichkeiten und auch die noch nicht bekannten Möglichkeiten aufklären müssen und man wird sich peinlich genau an die Indikationsanweisungen halten müssen und jeden der trotz zweifelhafter Indikation die Impfung verlangt unterschreiben lassen müssen, dass er das auf eigene Gefahr tut.

Gleichzeitig wird man sich natürlich auf mögliche Zwischenfälle vorbereiten müssen, denn es hilft natürlich nicht, dass man sich hat unterschreiben lassen, dass es zum Schock kommen könnte, wenn er denn da ist. Dann kann man nicht die Arme überkreuzen und sagen, » ich hab's ihnen ja gesagt, dass das passieren kann, jetzt sehen sie mal zu, wie sie damit zurecht kommen!«

Ok, meistens passiert ja nichts oder wenig und man kann natürlich immer Pech haben, dass mal eine seltene Reaktion auftritt, damit muss man halt leben.

Vielleicht oder wahrscheinlich wird das alles ja auch völlig harmlos ablaufen: harmlose Grippe trifft harmlose Impfung.

Wir sind doch in gar keiner schlechten Situation: die Schweinegrippe macht bisher keinen wirklichen Ärger und der Impfstoff steht zur Verfügung. Wenn man jetzt in aller Ruhe erstmal die Freiwilligen impft und dann die Gefährdeten, dann wird man schon mehr wissen. Und wenn alles gut läuft, kann man die Impfungen dann mehr in die Breite durchführen. Wenn es mit der Grippe schlimmer werden sollte, kann man natürlich auch beschleunigen, wenn man denn die infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen hat.

Meister 05.11.2009, 22.06 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Bloggmas Pharmadialektik



Liebe Freunde wunderbarer Heilungen und Feinde des schweinischen Profits. 2 Ereignisse haben die Pharmaindustrie in den Fokus der Kritik einer misstrauischen Öffentlichkeit gerückt: zum einen die angebliche Verhinderung der Massenheilung von Neurodermitis, Psoriasis und anderer Hautleiden, weil man ein bestimmte Salbe nicht produzieren will, die angeblich wunderbar und toll ist. Zum anderen der Schweinegrippeimpffstoff mit seinen neuartigen Verstärkern und alten Konservierungsstoffen und riesenhaften Profiten.

Also eins nach dem anderen:

Es soll sich um eine Salbe handeln aus Vitamin B12 und Avocadoöl und sie soll bereits als Medizinprodukt zugelassen sein, was offenbar nicht so schwer (und dementsprechend nicht teuer) war, weil es sich ja um 2 bekannt unbedenkliche Substanzen handelt, so etwa als ob man Wasser gemixt mit Apfelsaft als Mittel gegen Durst zulassen möchte(was bekanntlich auch wunderbar hilft). Bei Medizinprodukten muss nur die Unbedenklichkeit und nicht die Wirksamkeit nachgewiesen werden. Eine Firma, fand das Mittel nicht so erfolgversprechend und lehnte ab, es zu produzieren. Unterstellt wird, dass sie es tat, um ihre Profite mit Mitteln wie Cortison etc. zu schützen, obwohl die nur schlimme Nebenwirkungen haben und längst nicht so gut wirken würden.

Ich hatte die Sache schon von Anfang an für unglaubhaft gehalten, weil es sicher kein Problem wäre, so eine Salbe, die jeder Apotheker anrühren könnte, produzieren zu lassen. Es gibt massenhaft kleinere Firmen, die das sicher gerne machen würden, weil sie auf jede lukrative Lücke im Markt lauern. Und es stellt sich jetzt raus, dass die Salbe auch schon kurz vor dem Produktionsbeginn steht, es nur ein Propagandatrick war, der aber nur zu gern geglaubt wurde. Da wird wohl Ernüchterung eintreten, vielleicht sollten manche Leute schlicht ihre Reflexe überprüfen: kritisches Denken sollte man auch gegenüber den scheinbar »Guten« anwenden und misstrauisch werden, wenn man mit schwarz-weiss zugedeckt wird. Ich prognostiziere, dass auch mit der »Wundersalbe« bald Ernüchterung eintreten wird, beide Wirkstoffe sind, wie so viele andere, doch schon oft getestet worden und selbst wenn man bei einigen Leuten Verbesserungen sieht, seien wir bei solchen Berichten auch nicht zu blauäugig. Heerscharen von Scharlatanen zaubern ständig glühende Bewunderer ihrer Heilkunst hervor sobald man hinter den Rauchvorhang schaut, wird klar: viel Rauch um nichts und oft bös abgezockt. Es wäre sicher schön, wenn man so eine Wundersalbe finden würde, aber die Wetten stehen 1:1.000.000 dass das nicht passieren wird. Neurodermitis wird heilbar werden, wenn man sie wirklich grundlegend verstanden hat, vorher wahrscheinlich nicht.

Und der Schweinegrippeimpfstoff. Klar hat die Pharmaindustrie ihre eigenen Ideen entwickelt: einen neuen Musterimpfstoff für Pandemien zulassen, den man dann ohne große Fisematenten mit Austausch der Antigene für diese und andere Pandemien schnell und massenhaft nutzen kann. Die Idee ist ja nicht schlecht, und sie kam sicher auch gar nicht von der Industrie sondern von der WHO. Die Ausführung des Konzepts hat aber die kritischen US-Gesundheitsbehörden nicht überzeugt, die haben lieber auf einen klassischen Grippeimpfstoff gesetzt. Aber andere Gesundheitsbürokraten, sagen wir mal die deutschen, sind darauf angesprungen. Vielleicht deshalb, weil sie sich schon frühzeitig in einen gewissen Pandemiewahn hineingesteigert hatten gegen den sie das Äußerste zu unternehmen bereit waren. Es war ein Spiel mit ernstem Hintergrund: kommt es zur Mörderpandemie, dann werden sie gefeiert, bleibt es bei der Haustiergrippe, werden sie verlacht. Und dieses Spiel ist noch nicht vorüber, die Mörder könnten morgen oder irgendwann doch noch ins Spiel kommen. Nur jetzt sind sie nicht da, und deshalb hat niemand Lust, den Großversuch mit dem Pandemieimpfstoff zu machen. Kann natürlich sein, dass nicht nur die Schweinegrippe sondern auch dieser Impfstoff völlig harmlos ist (hoffen wir's!), aber man muss bei diesem Großversuch nicht mitmachen, sollen sie doch erstmal ein paar Millionen Freiwillige mit gutem Erfolg impfen, kann ein Weilchen dauern, macht aber doch nichts. Wenn man vorsichtig vorgeht, nach und nach impft, wird man Risiken frühzeitig erkennen und kann bei einer Verschärfung der Bedrohungslage jederzeit reagieren. Das Argument, man müsse jetzt sofort alle impfen, um die Radikalisierung des Virus zu verhindern halte ich für vorgeschoben und falsch. In Wirklichkeit gibt es nur einen Druck: wenn keiner hingeht sind die Impfstoffbesteller blamiert, dann werden sie ungemütlich werden. Ich verorte die Schuld in dieser Frage eindeutig bei den Gesundheitsbürokraten und nicht bei der Pharmaindustrie, die hat versucht die Vorgaben zu erfüllen und kriegt dafür jetzt wahrscheinlich Profit und Prügel zugleich.

Profit und Prügel ist sowieso eine gute Überschrift für den zweiten Teil, nämlich Überlegungen über die Rolle Pharmaindustrie überhaupt. Im Gegensatz zu dem, was in der Öffentlichkeit gedacht wird, hat die Pharmaindustrie in der Entwicklung wirksamer Medikamente in den letzten 100 Jahren sehr große Verdienste. Man braucht nur 20 Jahre zurück zu gehen: im Westen gab es alle Medikamente, in der DDR hatten sie nicht mal einen primitiven Penicillinsaft für Kinder. Von den früherblindeten und gedächtnisfrei nostalgischen Freunden des DDR-Gesundheitswesens wird natürlich nicht zu hören sein, dass die so lieben Poliklinikärzte bei Angina nichts Besseres zu tun hatten als mit Angstmache die Mütter dazu zu zwingen, jeden Tag die Kinder zur Penicillinspritze zu bringen, denn eine Depotspritze gab es natürlich auch nicht.

Aber wir wollen uns heute gar nicht über die Ewiggestrigen groß auslassen, nicht mal Bodo Ramelow würde heute.... und Iljitsch sowieso noch nie... und für Oskar sowieso immer nur das Beste...

Die Pharmaindustrie ist ein Dilemma und bleibt es auch: sie sollen und wollen innovative Medikamente entwickeln und liefern, sie wollen dafür Profit machen, das soll sich aber in Grenzen halten. Die Profitbasiertheit ihrer Geschäfte ist natürlich ihr Antrieb und ein besserer hat sich bisher noch nicht gefunden sucht weiter Jungs, ich bin dafür! Diese Profitbasiertheit ist natürlich genauso das große Handicap: sie sorgt dafür, dass nur das erforscht und entwickelt wird, was grossen Absatz und Profit verspricht, dass neue Mittel in den Markt gepuscht werden, um die Patentschutzzeit auszunutzen, obwohl die alten noch genauso gut wären, und dass hochwirksame Medikamente für Befindlichkeitsstörungen also für Nichtkranke empfohlen und verkauft werden, wie neuerdings Protonenpumpenhemmer gegen Sodbrennen, statt weniger essen und andere natürliche Abhilfe.

Das ist die Doppelnatur des kapitalistischen Profits, nicht gerade neu, logisch. Aber hier in einem besonders sensiblen Spannungsfeld: Gesundheit oder Krankheit, länger leben oder früher Tod, Schmerzen und Depression oder feel-good, Impotenz oder Hi-sein, nicht zuletzt Ängste und Erwartungen massenweise.

Die konventionellen Lösungsvorschläge kennt man auch, weg mit den Profiten und hurra. Ergebnis bekannt.

Gibts nichts Besseres? Vielleicht doch und die hätten dann auch über den Sektor hinausreichende Bedeutung. Man muss die Ausgangslage also den Profit akzeptieren und von da aus an den Schrauben so drehen, dass der erwünschte Profit gemacht wird, der unerwünschte nicht gemacht wird, Anreize dort geschaffen werden, wo der Profit zu gering ist und man muss Marketing und Lobbyismus durch Aufklärung und Transparenz einerseits und Begrenzungen und Verbote andererseits kontern. Und wer soll das machen? Der Staat? Sagen wir mal so: das allgemeine Interesse. Dieses sollte sich im Staat genauso ausdrücken wie in der Öffentlichkeit.

Vielleicht zu theoretisch: es gibt verschiedene Einzel- oder Partikularinteressen und es gibt ein allgemeines Interesse, das sich nicht schlicht aus der Summe der Teilinteressen ergibt, sondern als deren Ausgleich. Der gesellschaftliche Ausgleich in unserem Land (und der weltweite Ausgleich nicht zu vergessen) ist die Kernfrage der richtig verstandenen Demokratie, die sich eben nicht als Herrschaft der Mehrheit, der Einflussreichsten oder der lautesten Schreier definieren lässt, sondern als ein austariertes System von Balancen, Kontrollen und Organen des Interessenausgleichs. Und die Grundlage dafür muss sein, dass einen Geist gesellschaftlicher Fairness, ein Bewusstsein eines notwendig gemeinsamen Weges in die Zukunft gibt.

Also zurück: wir müssen der Pharmaindustrie wie jedem anderen Einzelinteresse das organisierte Allgemeininteresse entgegensetzen, also keine Verteufelung sondern öffentliche Diskussion, Belohnung des guten Profits und Vermeidung oder Wegnahme des schlechten, Förderung dessen, was vernachlässigt wird und Verbot von Interessenkollisionen. Letzteres ist sicher das Schwierigste: diejenigen, die das Geld haben, können sich auch ihre Agenten kaufen: Verfilzung von Bänkern und Aufsichtsbehörden ist sprichwörtlich, mit Pharmaindustrie und Gesundheitsbehörden ist es nicht anders in anderen Bereich genauso.

Professoren sind billig zu haben, das ist eine Binsenweisheit. Journalisten sind noch billiger, mediale Aufmerksamkeit ist leicht zu organisieren.

Trotzdem liegt die Chance der Kontrolle in der Öffentlichkeit - wir müssen eine kritische Öffentlichkeit sein und nur durch ein Einbeziehen von immer mehr Menschen in diese kritische Öffentlichkeit wird sie zu einer kritischen Masse.

Darauf einen Krankenschein!

Liebe Grüße aus dem Spreebogen, wo wir auf den neuen Gesundheitsminister warten, ohne Vorschusslorbeeren aber mit Offenheit und Interesse. Man sollte ihn sicher nicht unterschätzen, das ist kein Klientelpolitiker.

Ihr ergebener Dr. med. Bloggma

Meister 25.10.2009, 23.23 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Schweinegrippefront-update

Es gibt mal wieder Neuigkeiten an der Schweinegrippefront. Zum einen 1000 Fragen zur Impfung. Die Leute sind von den  sich widersprechenden Informationen allmählich voll verwirrt, man wird demnächst mal darüber nachdenken müssen, was die SG für die Desinformationsgesellschaft bedeutet. Wieder mal muss man ständig die gleiche Platte spielen, aber das ist in der Kinderarztpraxis nichts Neues, das sind wir gewohnt.
Die Schweinegrippe selbst ist keineswegs verschwunden, im Gegenteil, die Fälle werden immer mehr, leider werden wir durch die Umstände daran gehindert unvoreingenommen Tests zu machen, aber eigentlich ist das kein Unterschied zur normalen Grippewelle, dort merken wir auch nicht durch Tests sondern durch das uniformer werdende Bild der fieberhaften Erkrankungen, dass die Fälle mehr werden. Im Moment werden die fieberhaften Infekte deutlich mehr und bei einigen denkt man >könnte sein< ohne einen dann natürlich meldepflichtigen Verdacht daraus machen zu müssen. Aber die erste Meldung ans Gesundheitsamt hatten wir gestern auch, liess sich von den Umständen nicht umgehen. Der Fußballclub der Umgebung hat ein Trainingslager irgendwo gehabt, wo sich plötzlich die S-Grippe ausgebreitet hat, einer von den Heimkehrern wurde gestern bei uns vorgestellt und im Auto auf dem Parkplatz untersucht: Ergebnis unspezifisch, aber bei Virusnachweis im Ansteckerkollektiv sicher ein Verdacht. Und wenn Tamiflu aufgeschrieben wird, kann man wohl nicht leugnen, dass man einen Verdacht geäußert hat, also muss man melden! Es besteht die Gefahr, dass man sich bei der administrativ aufgeladenen Situation sonst ins Schußfeld bürokratischer Sanktionen der amtlichen Gesundbeter begibt, was zu vermeiden ist. Sie suchen jetzt schon Sündenböcke für das von ihnen angerichtete Desaster. Je mehr Letzteres anwächst, um so mehr wird diese Tendenz zunehmen. Eine angeschlagene Bürokratie ist gefährlich, da ist ein angeschossenes Wildschwein gar nichts gegen. 
Bei dem erwähnten Trainingslager wurden alle Betroffenen sofort mit Tamiflu behandelt und alle nicht Betroffenen gleich mit einer Prophylaxedosis. Das kann man medizinisch durchaus als vollkommen unsinnig ansehen,  aber niemand will sich nachsagen lassen, dass er nicht das Äußerste unternimmt. Bei den so Behandelten kommt es dann gleich zur nächsten Verunsicherung: schreckliche Nebenwirkungen seien in Japan aufgetreten. Das ist sicher wieder ein haltloses Gerücht, die Japaner haben schon in dem Vogelgrippewinter vor 3 Jahren ungebremst Tamiflu in Massen geschluckt und damit sicher in Einzelfällen auch unerwünschte Wirkungen gehabt. Aber als ich die Putativ-SG im Frühsommer hatte, habe ich festgestellt, dass das Mittel eigentlich nicht schlecht verträglich ist, auch wirkt, aber keineswegs stark wirkt, das ist nicht das, was man von Antibiotika kennt. Ob man es nehmen soll, ist weniger eine Frage der Nebenwirkungen, sondern mehr eine Frage vom therapeutischen Sinn: wenn es jemandem nicht gut geht, würde ich es schon empfehlen, aber jeden der sich angesteckt haben könnte zu behandeln ist vielleicht doch ein bisschen sehr "japanisch".
Die Zahl der Fälle nimmt also offenbar momentan deutlich zu, aber glücklicherweise gibt es bisher nur Leichtkranke. In einer Familie, in der es vor 2 Monaten nachgewiesen wurde, hatte sich die Mutter in Spanien angesteckt, hatte Fieber und Husten, war nach einer Woche wieder hergestellt, der Sohn hatte auch etwas Fieber, Vater und Tochter waren aber nicht sichtbar betroffen. Das könnte vielleicht repräsentativ sein, in einer Reihe von Familien sind eine Reihe von Mitgliedern betroffen, aber die meisten so unspezifisch leicht, dass niemand die Diagnose stellen würde.
Und der Impfskandal:  im Land Berlin wird heftig gestritten, der Senat hat bei der kassenärztlichen Vereinigung, mit dem Wunsch ein Billighonorar zu diktieren, auf Granit gebissen und will jetzt seine Hiwis im öffentlichen Gesundheitsdienst die Sache machen lassen und eine Koalition der Willigen aus  2000 Praxen rekrutieren, die sich umfänglich formularmäßig beim Senat bewerben, um für das herabgesetzte Honorar die Impfung machen zu dürfen. Das Geheul der roten Brüder im Senat wird  durch ihre publizistischen Hilfstruppen verstärkt: die bösen, bösen raffgierigen Ärzte verhindern die rechtzeitige Rettung der unschuldigen Bevölkerung  vor der tödlichen Seuche, weil sie nicht bereit sind, die Impfung zu den Bedingungen durchzuführen, die ihnen vom Senat gestellt werden. 
Dabei wird wieder genau der Fehler gemacht, der schon die ganze Zeit sich durch die SG-Frage zieht: es wird einfach behauptet, dass ein Notstand vorliegt, den man nur durch Notstandsmassnahmen beherrschen könne: deshalb Impfstoffe, die nicht getestet sind, sondern notfallmässig zusammengeschustert, deshalb Impfung durch Leute, die man nicht normal bezahlt sondern zu einem Nottarif oder am besten notfallmässig dienstverpflichtet. Von der Haftungsfrage wurde in diesem Zusammenhang auch gar nicht gesprochen: d.h. sie erwarten von Ärzten, dass sie für ein reduziertes Honorar einen Impfstoff verimpfen, von dem diese nicht überzeugt sind und für den sie bei schlimmen Resultaten vielleicht sogar noch haften sollen. Die allgemeine Behauptung, der Staat hafte für empfohlene Impfungen wurde in der Vergangenheit schon mehrfach per Gericht auf Impfärzte abgewälzt, notfalls mit fadenscheinigen Begründungen wie >mangelnde Aufklärung< (Beispiel vor einigen Jahren: Poliomyelitis =Kinderlähmung bei Kontaktpersonen von Lebendimpfstoffempfängern).
Aus meiner Sicht geht es nicht um 2€ mehr pro Impfung, im Notfall würde ich das auch ohne Bezahlung machen, nur es handelt sich keineswegs um eine Notsituation : warum sollten die Ärzte sich dafür hergeben, dem Staat das Geld zu wieder einzusparen, was jener (so viel,  viel zu viel) an die Impfstoffhersteller verdaddelt hat, vor allem, warum sollten sie sich das von der Gesundheitsbürokratie diktieren lassen?
Ich denke, man sollte Ruhe und Vernunft wieder einkehren lassen, die Panikmache  beenden, die Anmassung der Gesundheitsbürokraten durch deren fristlose Entlassung beenden und demnächst offener und bedächtiger mit derartigen Problemen umgehen. Hysterie ist niemals ein guter Ratgeber. 
Diese Schweinegrippeimpfung werden wir wohl als "Ulla Schmidts Abschiedsgeschenk" in Erinnerung behalten.

Meister 23.10.2009, 18.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Langsam wird's schweinisch

Also die Sendung >hart aber fair< gestern abend ueber Schweinegrippe war mal wieder nicht sehr fair, eine Versammlung von Schwaetzerei, irgendwann kriegt der Plasberg noch den Sudel-Ede-Gedenkpreis.
Aber es war ja zu erwarten, dass die Medienkampagne allmaehlich einen Hoehepunkt erreicht. Das interessante an diesem durchs Dorf getriebenen Schwein ist im Gegensatz zu manchen seiner Vorgaenger, dass auf der Endstrecke vom Endverbraucher eine Aktion erwartet wird. Der soll ja irgendwo hingehen und sich impfen lassen und das nur durch die Macht der Medien, umgesetzt in persoenliche Angst.
Ich glaube man kann jetzt schon erraten, wei das ausgehen wird. Und was macht die Propagandaindustrie dann? Na da will ich mal nicht spekulieren.
 

Meister 22.10.2009, 14.21 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Schweinegrippeimpfung- was nun?

Schon wieder wird eine wichtige Sache übersehen: die Schweinegrippe verläuft völlig harmlos, aber das könnte sich ändern.
Die Gesundheitsbürokratie hat mit ihrer Massenimpfkampagne einen Riesenscherbenhaufen angerichtet, aber man muss halt das Beste draus machen.
Die 1 Milliarde Euro ist eh ausgegeben, kann man abschreiben. Die Heldenträume der Bürokraten auch, was man daraus lernen und wen man dafür verantwortlich machen soll, fragen wir später.
Jetzt geht es erstmal darum, ganz in Ruhe umzustellen: aus der Notfallkampagne muss eine ganz normale zusätzliche Grippeimpfung werden: Einzeldosen abfüllen, auf normalem Wege vertreiben, überall impfen, jedem anbieten, aber ohne >sofort< und >muss unbedingt<.
Dann können sich die Leute ganz in Ruhe überlegen, ob sie wollen oder nicht und man kann notfalls, wenn alles bereit und verteilt ist, die ganze Bevölkerung auch schnell überall impfen, wenn es schlimmer werden sollte mit der Schweinegrippe.
Was steht dem entgegen?
Eigentlich nur der Starsinn der Bürokraten, die nicht verstehen wollen, dass sie Mist gebaut haben. Sie haben natürlich Angst ihr Gesicht zu verlieren, aber keine Angst wir sind nicht in Asien, sie werden ihre Pensionen behalten, selbst wenn sie sie demnächst schon kurzfristig bekommen. 

Meister 20.10.2009, 10.02 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Neues zur Schweinegrippeimpfung

Die neueste Nachricht in diesem Zusammenhang ist, dass sich in einer Ampulle 10 Impfdosen befinden sollen. Da waren wieder die richtigen Pandemieexperten am Werk offenbar. Die sehen sich ständig in einer Szenerie wie im "Outbreak"-Film die Welt retten und haben sich sicher schon ausgemalt, wie sie in aller Eile Millionen Menschen die lebensrettende Dosis in die dankbaren Arme jagen.
Dummerweise wird es nicht so laufen, es wird kaum einer hingehen, wie die Dinge liegen und die Impfung in den Praxen kann man dann sicher auch vergessen, weil eben nicht 10 Leute hintereinander weg geimpft werden können, befürchte ich.
Und wegen dieser >10 Dosen in 1Ampulle< haben sie auch den Konservierungsstoff Thiomersal zugefügt, eine Quecksilberverbindung, die man aus allen Impfstoffen für Kinder schon lange heraus genommen hat, weil es ein rotes Tuch für die Eltern war.
Mir ist im Nachhinein überhaupt nicht klar, warum, man die H1N1-Komponente nicht einfach dem normalen Grippeimpfstoff zugefügt hat, wie man es mit den andern ausgewählten Typen jeweils macht? Da steckt vielleicht die hektische Art dahinter wie die WHO mit der Sache umgegangen ist. Aber da nicht in allen Ländern derartiger Impfstoff bestellt wurde, sind sicher auch hausgemachte Fehlentscheidungen dabei. Ein Abschiedsgruß der kompetenten Ulla?
Die einzige Sache, die wirklich klar ist, ist, dass die !00Mio-Kosten dem Gesundheitswesen fehlen werden.
Praktisch hat sich für uns als Kinderärzte momentan nichts geändert. Bevor wir das erste Kind impfen werden wir die erste Million Erwachsene abwarten. 

Meister 13.10.2009, 10.15 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL